Die Realität: Wir wollen fördern – aber womit?
Als Arbeitgeber willst du Perspektiven schaffen, Kompetenzen entwickeln und Menschen motivieren. In der Bäderbranche ist das aber unnötig schwer. Nicht wegen fehlender Bereitschaft, sondern weil das System seit Jahrzehnten stehen geblieben ist.
Die Ausbildungsordnung für Fachangestellte für Bäderbetriebe stammt aus 1997.
Die Meisterordnung aus 1998.
Beide Regelwerke haben mit dem heutigen Berufsbild nur noch am Rand zu tun.
Ein Beruf im Wandel – aber ohne moderne Ausbildung
Die Branche arbeitet längst digital, kundenorientiert und wirtschaftlich. Trotzdem spiegelt die offizielle Qualifikation das kaum wider.
Was komplett fehlt:
- Digitalisierung & IT-basierte Anlagenführung
- Personalführung und Teamorganisation
- Konfliktmanagement
- Marketing, Social Media, Angebotsentwicklung
- Prävention, Gesundheitsförderung, Inklusion
- Krisenmanagement & Rechtskenntnisse
Alles Themen, die im Alltag unverzichtbar sind – aber in der Ausbildung nicht vorkommen.
Es gibt gute Angebote – aber zu wenig Breite
Natürlich existieren Weiterbildungen, die etwas bewegen:
- Fortbildungen der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen
- Bäderbetriebsmanager an der IST-Hochschule
- Spezialisierungen für Technik, Sauna oder Aqua-Fitness
Diese Angebote sind wertvoll, aber sie ändern nichts am Grundproblem:
Das Gesamtbild der Weiterbildung ist seit Jahren nahezu unverändert. Vieles dreht sich um die Klassiker – wichtig, aber nicht zukunftsweisend.
Die Branche braucht mehr als nur punktuelle Qualifikationen.
Das bestätigt auch die Forschung
Das Bundesinstitut für Berufsbildung weist in seiner Voruntersuchung (2.2.380) selbst darauf hin:
Es gibt erhebliche Modernisierungsbedarfe in der beruflichen Aus- und Fortbildung der Bäderbranche.
Mit anderen Worten: Die Kritik kommt nicht nur aus der Praxis – sie ist fachlich nachvollziehbar.
Warum das ein echtes Problem ist
1. Weniger Attraktivität als Arbeitgeber
Wer Mitarbeitenden keine klare Entwicklungsperspektive bieten kann, verliert im Wettbewerb um Fachkräfte.
2. Fachkräfte von gestern lösen nicht die Probleme von heute
Digitalisierung, demografischer Wandel, Energiekrise, Sicherheitsfragen – das alles braucht moderne Kompetenzen.
3. Stillstand erzeugt Frust
Mitarbeitende wollen sich entwickeln. Wenn das System keine Wege bietet, wird Potenzial verschenkt.
Was die Branche jetzt wirklich braucht
- Zukunftsorientierte Fortbildungen, die moderne Betriebsführung abbilden
- Standardisierte Qualifikationen, die branchenweit anerkannt sind
- Kooperationen mit Hochschulen, damit Theorie und Praxis zusammenwachsen
- Ein neues Selbstverständnis des Berufsbildes, das Dienstleistung, Technik, Pädagogik und Management verbindet
- Eine überarbeitete Ausbildungsordnung, die die Realität von heute abbildet
Kurz gesagt: Wir brauchen echte Modernisierung – nicht nur Kurskatalog-Refinements.
Fazit: Weiterentwicklung ist keine Option – sie ist überfällig
Seit über 25 Jahren hat sich an den Kernqualifikationen kaum etwas verändert, während sich die Anforderungen im Betrieb vervielfacht haben.
Die Branche zahlt dafür einen Preis: fehlende Attraktivität, fehlende Entwicklungspfade und fehlende Zukunftsfähigkeit.
Es ist Zeit für Weiterbildungen, die Mitarbeitende wirklich voranbringen – und die Bäderbranche gleich mit.
